Am Ende des Kringelkrugweg im Stadtteil Friedrichsgabe (Norderstedt), dort wo sonst nur Güterzüge fahren, steht in der Nacht auf Mittwoch plötzlich ein AKN-Zug auf den Gleisen. Besetzt mit 13 Menschen raste die aus zwei Triebwagen zusammengesetzte Bahn gegen einen roten Pkw. Das Szenario am beschrankten Bahnübergang ist zum Glück nur eine Übung. Doch kaum jemand wusste davon. Daher wurden die zuständigen Feuerwehrleute aus den beiden Ortswehren Friedrichsgabe und Harksheide sowie die Einsatzleitgruppe auch real alarmiert.
"Erst war nur ein Rettungswagen eingesetzt, die Besatzung forderte dann weitere Kräfte nach", erzählt Carsten Fründt. Der Zugführer aus Friedrichsgabe hatte gemeinsam mit seinem Wehrführer Jürgen Klingenberg die Idee zu dieser Lage: "So etwas wie diesen Einsatz proben wir nur ein, maximal zwei Mal im Jahr. Dafür sind zu viele Helfer involviert. Die AKN stellt einen Zug, KBA, DRK-Norderstedt und die Nachbarwehr Harksheide müssen Helfer stellen." Wie im wahren Leben stand da so manches Fahrzeug hinten im Wege - und der Fahrer war ganz vorne eifrig am Retten. "Übungen sind dazu da, Schwachstellen aufzudecken. Aber wirklich viele oder gravierende gab es hier gar nicht", so Klingenberg kurz vorm Übungsende.
Die 13 Verletzten wurden zuvor in einer Scheune geschminkt und dann unbemerkt von den Kameraden an der Feuerwache vorbei zum Übungsort gebracht. Zuvor wurde mit einem Trecker der Pkw auf die Gleise gesetzt und die AKN herangefahren. Dann kamen die zwei Verletztendarsteller in den Pkw, die restlichen verteilten sich im Zug und schrien herum oder wimmerten vor sich her. Übrigens: Real an diesem Einsatz war die Kälte: "Viele Opfer brauchten wirklich Decken zum Wärmeerhalt, so kalt war der Zug", so ein Darsteller später. Als alle Personen gerettet waren, gab es neben der Übungsnachbesprechung eine kräftige Suppe am Feuerwehrhaus. Da waren die Strapazen bald vergessen.
Klaus Brand aus Harksheide ist durch seinen Schwiegersohn zur Übung gekommen. Gemeinsam mit seiner Frau sitzen sie im Zug. Sie haben zwar keine Verletzungen, wohl aber einen (fiktiven) Schock...
Jason ist mit seiner Mutter Marina Vieten (33) dabei: "Mein Papa hat die Übung geplant", sagt der 7-Jährige. "Wir waren noch nie bei einer so großen Übung dabei. Es ist spannend das alles mit zu erleben", so die Mutter. Später kommen beide ins "Krankenhaus" - die Feuerwache Friedrichsgabe ist fiktiv dieser Ort.
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