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Leitungen zerschossen
In weiten Teilen Hamburgs war Anfang der Woche "der Wurm" drin - besser gesagt: Die Rakete. Denn bei Arbeiten für neue Hochgeschwindigkeits-Internetnetze, wurden erst einmal viele vorhandene Leitungen zerschossen. Hier der Versuch einer Unfall-Chronologie, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat:
Am Montag wird ein für weite Teile des Stadtteiles Poppenbüttel wichtiges Kabel des Telefonanbieters HanseNet zerstört. So gibt es für mehrere tausend Haushalte kein Internet und kein Telefon. Davon ist auch die RTVP-Redaktion betroffen!
Nächster Tag, selber Stadtteil:
Bei Arbeiten der Telekom passiert ähnliches. Doch dieses Mal wird am Stofferkamp mit einer Erdrakete eine Gasleitung getroffen.
Die Berufsfeuerwehren Sasel und Alsterdorf sowie weitere Kräfte der Technik- und Umweltwache sind Stunden im Einsatz. Auftrag: Es darf nichts explodieren. Daher müssen auch einige Anwohner ihre Häuser verlasen und können bis etwa 11 Uhr nicht zurück.
Gegen 13.30 Uhr erneut Gasalarm. Dieses Mal in Barmbek. Wieder Schuld: Eine Erdrakete, die eine vorhandene Leitung kappt.
Die Arbeiten werden für "Willi.Tel / Thiele" ausgeführt - noch streiten sich die Geister ob es sich dabei um einen "Ableger" der Stadtwerke Norderstedt und den dazugehörigen Anbieter Wilhelm.Tel handelt.
Sicher ist: Eine bettlägerige Frau und die Bewohner zweier Mehrfamilienhäuser müssen evakuiert werden... Thomas Tasch vom U-Dienst der Hamburger Feuerwehr zeigt sein Gas-Messgerät, mit dem die Methan-Konzentration gemessen wird. Wird ein erhöhter Wert gemessen, besteht Explosionsgefahr!
Während die einen auf Gas und die Erlaubnis zur Rückkehr in die Wohnungen warten, warten andere auf Strom. Denn in Altona, genauer gesagt rund um den Fischmarkt geht elektrizitäts-technisch gar nix mehr. Bereits am Montag gab es einen Leitungsdefekt. Zwar wurde vom Versorger (Vattenfall) umgeschaltet - doch am Dienstag funktioniert die Ersatzleitung auch nicht mehr.
In der Sushi Factory wird es langsam warm - was Chefkoch Katsumi Hinohara gar nicht gefällt. Er zeigt eine Temperaturanzeige und wird langsam unruhig: "Deutlich unter Null Grad sollten im Kühlhaus sein!"
Geschäftsführerin Nicole Kreuzer steht ratlos mit einem Tablett voll Sushi am dunklen PC-Monitor: "Normalerweise gehen hier unsere Bestellungen aus dem Internet ein. Wenn das Sushi noch wärmer wird, müssen wir alles vernichten!"
Bodo von Laffert, ebenfalls Geschäftsführer ist entsetzt: "Wir haben teure Kassensysteme, damit die Mitarbeiter ordentliche Abrechnungen für die Kunden und auch für uns anfertigen können. Problem: Natürlich brauchen die Strom!" So kommt der gute alte Taschenrechner und die Kunst des Kopfrechnens zum Zuge.
Kaum zu Glauben: Doch am Abend schlägt schon wieder die Stunde der Bauarbeiter: Erneut wird in Poppenbüttel eine vorhandene Leitung schwer beschädigt. Ein Wasserrohr wird an der Harksheider Straße durch eine Spezialfirma angebohrt - Arbeit für den Fachmann. Doch erst am nächsten Tage haben die etwa 20 Mieter wieder Frischwasser.
Besonders ärgerlich findet das auch Bewohner Florian von der Hoeden (25). Er ist sauer: "Wir haben gegrillt und können nun nicht mal die Kinder duschen! Na klar, so etwas kann mal passieren - aber mitten im Sommer ist das hart!"
Übrigens:
Für genau solche Kästen, die wie hier an der Röhrigstraße (Hamburg-Ottensen), nun überall in der Stadt auftauchen, sind die Arbeiten unterhalb der Oberfläche: Mit Spezialbohrern oder den sogenannten Erdraketen, werden Lehrrohre durch den Boden geschoben. Darin werden neue Kabel für die Telekom und andere Telekommunikationsanbieter gelegt. Schöne neue digitale Welt - aber die Schaltschränke stören doch, oder ?!
Weitere Bilder der einzelnen Stationen:
Dienstag, gegen 9 Uhr - Einsatz Stofferkamp - Gasausbruch:
Dienstag, 13 Uhr - Ein entsetzter Betriebsleiter Carsten Sievers vom Frische-Paradies:
Dienstag, 14 Uhr - Gas-Alarm nun auch in Barmbek:
Dienstag, 20 Uhr - angebohrte Wasserleitung:
Links:
Bericht im Hamburger Abendblatt
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Donnerstag, 20. Juli 2006
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