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Ende für SAR 71
"Hamburg verliert heute ein Wahrzeichen - traurig und wahr!" - deutlich, voller Gefühle und leider auch die Wirklichkeit die in diesen Worten eines Mannes stehen. Denn "Anneliese" war neben dem Wahlross Antje (vom Tierpark Hagenbeck) eines der letzten aktuellen Hamburger Originale, das jung und alt - arm und reich - jederzeit zum staunen, lächeln und nachdenken brachte.
"Die alte Dame", wie von vielen genannt, wurde ausgemustert! Ausgemustert, da ihr eine Turbine fehlt... Anneliese, der Bundeswehr-Hubschrauber vom Typ "Bell UH-1D" mit der roten Tür wurde heute gegen das Modell "Bell 212" der Bundespolizei getauscht. Nach wie vor an Bord neben der Flugbesatzung: Ein Rettungsassistent und ein Notarzt, für den der Hubschrauber regelmäßig abhebt und zu Notfalleinsätzen fliegt.
"Der schnellste Weg zum Patienten führt halt oft durch die Luft", so ein Feuerwehrmann. Wo ein Notarzt auf dem Lande im Auto zu weit weg steht kommt der Hubschrauber mit dem typischen "Teppichklopfer-Sound". Auch der neue Hubschrauber klingt ähnlich, hat aber zwei Turbinen, die für Flüge im Stadtbereich nun vorgeschrieben sind.
Tränen zum Abschied von sonst eher "harten" Kerlen!
Doch nicht nur der Hubschraubertyp und der Betreiber ändern sich - zwangsläufig auch die Besatzung. So flog Jörg Götz (40), von vielen liebevoll "Shorty" genannt mit Wehmut und Tränen in den Augen buchstäblich die letzte Runde über Hamburg. Um 11.48 Uhr erhielt der "SAR Hamburg 71" nämlich seinen letzten Einsatz von der Feuerwehr-Einsatzzentrale. In Harburg war ein Patient mit einem Herzinfarkt, der dringend notärztliche Hilfe benötigte. Eigentlich ein Routine-Einsatz: Doch nachdem der Mann versorgt war, begann die wohl schwerste Reise für Pilot, Crew und vermutlich auch Maschine!
Der Heimflug zum Bundeswehrkrankenhaus, kurz BWK, bedeutete das Ende einer Ära: Im Juli 1973 wurde das Rettungszentrum Hamburg aufgebaut. Seither war am BWK durch die Luftwaffe ein Hubschrauber stationiert. Übrigens auf Nachdruck durch den damaligen Innensenator der Stadt - und späteren Bundeskanzler - Helmut Schmidt. "Nach fast 33 Jahren Rettungsflugbetrieb wird der Hubschrauber „SAR 71“ des Lufttransportgeschwaders 63 aus Hohn bei Rendsburg den Betrieb einstellen. Dieser Schritt wurde erforderlich, da der durch die Luftwaffe verwendete Hubschrauber (Bell UH-1D) in den kommenden Jahren durch einen größeren Hubschrauber (NH-90) ersetzt wird, der sich aufgrund Größe und Gewicht für den Einsatz in der Notfallrettung in Deutschland nicht eignet", sagt Bundeswehrsprecher Oberstleutnant Wolf von der Osten.
Das medizinische Personal wird übrigens weiterhin vom Bundeswehrkrankenhaus gestellt, "so dass die anerkannt hohe Qualität der Versorgung der Bevölkerung in vollem Umfang erhalten bleibt", betont von der Osten. Auf dem Foto vor dem neuen Hubschrauber stehen daher auch die neuen Bundespolizeipiloten Hans-Jürgen Willmann (56) und Ralf Lenze (41) neben Dr. Bernd-Rüdiger Vorwerk (53) und Rettungsassistent Michael Kansy (33).
Auf dem Foto die SAR-Crew: Pilot Jörg Götz (40), Rettungsassistent Michael Kansy (33), BWK-Oberarzt Dr. Joachim Hoitz (48), Notarzt Bernd-Rüdiger Vorwerk (53) und Pilot Thomas Bagemühl (40).
Sichtlich gerührt gab Thomas Bagemühl von der sonst so gefassten SAR-Crew dann nicht nur den digitalen Alarmierungsmelder an Ralf Lenze von der Bundespolizei weiter sondern auch die Stadtkarte von Hamburg. Ein schwieriger Moment - begleitet von unzähligen Fotografen und Fernsehteams.
Nicht oft muss ein Hamburger Original abgeschoben werden - am Donnerstag, 19. Januar 2006 war es für den Hubschrauber mit der markanten roten Tür leider soweit. So blieb Anneliese auch auf dem Boden als der neue Hubschrauber zum ersten Einsatz abhob...
"Qualität des Rettungsmittels bleibt bestehen"
Der erste Einsatz für den Hubschrauber mit der längeren Schnauze: Eine gemeldete Atemnot auf dem Spielbudenplatz inmitten von Hamburg. Zeit für Anneliese wirklich "Good bye" zu sagen: Kurz darauf hob auch sie ab - zum Stützpunkt bei Rendsburg. In Hamburg ist von nun an nicht mehr "SAR Hamburg 71" zu hören - sondern nur noch der Funkrufname für den neuen Retter aus der Luft: "Christoph 29".
Doch neben den traurigen Momenten des Abschiedes gab es auch schöne Augenblicke der Versöhnung: Neben einem Erinnerungsbild für die Crew des letzten Fluges gab es neben hochrangigen Vertretern der Bundeswehr auch sehr bekannte Gäste: Der Schauspieler Oliver Hörner (Rettungsflieger im ZDF) tröstete den Piloten Jörg Götz. "In der Serie bleibt Anneliese natürlich der Star", so Hörner. Nächstes Jahr übrigens soll hoffentlich auch wieder weitergedreht werden.
Bilder von Anneliese:
Fotos vom orangenen Christoph 29:
Links:
Tolle Fan-Seite zum SAR-71
Einer der letzten Anneliese-Einsätze
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Donnerstag, 19. Januar 2006
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