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Katastrophen-Übung

Für einen Tag war Norderstedt am Sonnabend Ziel der größten Katastrophenschutzübung des Kreises Segeberg seit Jahren: "Noch nie haben wir so intensiv und in solchen Dimensionen die Zusammenarbeit geübt", sagt der oberste Feuerwehrmann des Kreises, Hans-Jürgen Berner (54, Kreisbrandmeister). Mehr als 700 Helfer von Feuerwehr, Bundeswehr, technischem Hilfswerk, Polizei, Kreisverwaltung und verschiedener Rettungsdienste und Hilfsorganisationen, arbeiteten mit bei der Rubikom 2004.


Auf dem Foto von rechts: Hans-Jürgen Berner, Vertreter Rolf Gloyer sowie Kisdorfs Amtswehrführer Michael Henning.
[korrigiert: 28.11.2004]

Szenario für alle: Die Lager- und Reifenhallen auf einem Firmengelände an der Oststraße / Am Stammgleis, stehen um 7.30 Uhr im Vollbrand. Aus der Fracht eines Güterwagons, sind zusätzlich ätzende und explosive Stoffe ausgetreten. Problem: Die Wasserversorgung muss aus der Costa Kiesa und aus einem ebenfalls weit entfernten Löschteich erfolgen - und immer wieder gibt es Explosionen in den riesigen Hallen. Menschen rennen schreiend über das Firmengelände - sie sind verletzt. Bis zu 80 Opfer werden in den Hallen vermutet.

Das Firmengelände: Markierungen und Pfeile zeigen einzelne Einsatzabschnitte. Von der Wasserversorgung über Absperrpunkte bis hin zur Verletztensammelstelle: Viel Arbeit für Führungsstab und Einsatzleitung.


Chlorpikrin - reizt Schleimhäute. Der Stoff wurde im ersten Weltkrieg in Granaten gemischt. Beim Verschlucken: Herzinfarktgefahr. Aber Entwarnung: Die Übungsfässer waren nur mit Wasser befüllt!


Um den Katastrophen-Eindruck noch zu verstärken, sind etwa 50 Verletztendarsteller, zum Teil mit üblen Wunden geschminkt, auf dem Gelände verteilt. Sie liegen auf dem Boden oder rufen laut keifend um Hilfe. OrgL, steht für organisatorischer Leiter Rettungsdienst und Leitender Notarzt, haben viel zu tun...

Nachdem Rettungsdienst und Feuerwehrkräfte alarmiert waren, lief die Hilfsmaschinerie auf Volldampf: Im Sekundentakt fuhren Löschfahrzeuge auf das Gelände - begaben sich in ihre Bereitstellungsräume. Fünf Feuerwehrbereitschaften mit Fahrzeugen aus dem gesamten Kreis stellten sich auf. Rettungswagen fuhren mit Blaulicht vor - "Verletzte" wurden versorgt und in Krankenhäuser gebracht.

Auf dem Firmengelände geordnete Hektik: Kommandos und Befehle überall - jeder will helfen so gut er kann! Etwas vom Schadensort entfernt, in der technischen Einsatzleitung "TEL", geht es etwas ruhiger zu. Hier laufen alle Drähte zusammen - wird entschieden was passiert. Auch Kreiswehrführer Berner arbeitet hier. Der Landrat und weitere Führungskräfte sitzen derweil in der Kreisfeuerwehrzentrale in Segeberg oder im Feuerwehrtechnischen Zentrum in Norderstedt. Übungsende ist gegen 13 Uhr - geplant war er bereits eine Stunde früher: "Der Ablauf hat sich durch das Wetter verzögert. Die Einsatzkräfte konnten teilweise nur sehr langsam herfahren", sagt Berner.

Im realistischen Fall dieser Katastrophe, wäre die Feuerwehr Norderstedt als erstes alarmiert worden. Sinn und Zweck der Übung war es jedoch, einmal die Zeiten aller Wehren abzuschätzen. Außerdem sollten Ablösungen geübt werden. Dieser Einsatz sollte also so ablaufen, als würde er drei Tage dauern. So mussten - damit die Übung annähernd real laufen kann, einige Fahrzeuge längere Strecken vom Einsatzort weg in die Bereitschaftsräume fahren, dann erst gesammelt nach Norderstedt. "Die Kräfte wurden schon sehr beansprucht, nicht nur durch das Wetter", bestätigt Berner. Doch alles sei gut gelaufen. Knapp ein halbes Jahr waren zehn Helfer an der Ausarbeitung der Übung beteiligt, nachdem im vergangenen Jahr diese Übung im Planspiel durchgenommen wurde.

Norderstedts Bürgermeister Hans-Joachim Grote, machte sich vor Ort ein eigenes Bild von der Lage: "Beeindruckend die Leistung. Ich hoffe aber, dass wir eine solche Katastrophe nie in Norderstedt haben."

Mit seiner Tochter Camilla (17) war der Bürgermeister übrigens gerade auf dem Weg zum Einkaufen, als er von der Übung erfuhr.

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Samstag, 20. November 2004


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